Theresa König (2020)

 

Venezuelan forced migrants in Bogotá: Digital platform labor and its implications for everyday urban life

     
Kurzbeschreibung  

Die sozioökonomische und politische Krise in Venezuela hat zu Millionen unfreiwilliger Migrant_innen geführt. Viele von ihnen überqueren die Grenze zu Nachbarländern mit dem Ziel Arbeit zu finden, wobei sie oft in urbane Gebiete migrieren. Bogotá, der Untersuchungsort dieser Diplomarbeit, ist ein Beispiel für besonders hohen Zahlen an venezolanischer Migrant_innen. Mit der Herausforderung, sich ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, bleibt vielen keine andere Chance, als einen Job auf dem informellen Arbeitsmarkt anzunehmen, wo in den letzten Jahren digitale Arbeitsplattformen immer mehr an Bedeutung gewannen. Deren Erfahrungen und Handlungen können das städtische Leben und damit auch die sozialräumlichen Bedingungen einer Stadt erheblich verändern. Die vorliegende Analyse versucht, eine Verbindung zwischen diesen Phänomenen herzustellen und trägt damit zum Verständnis der Alltagserfahrungen marginalisierter Gruppen bei. Mit einem ethnographischen Ansatz und verschiedenen qualitativen Forschungsmethoden, darunter narrative semi-strukturierte Interviews, teilnehmende Beobachtung und ‘ride-alongs’, analysiert sie zwei Fälle venezolanischer Migrant_innen, die über digitale Arbeitsplattformen in der Gig-Ökonomie arbeiten. In einem Fall geht es um Rappi-Lieferanten_innen und im zweiten Fall um Webcam Models. Dadurch wird ein tiefer Einblick in alltägliche Herausforderungen, Routinen und Gedanken ermöglicht, die schließlich mit Hilfe von theoretischen Konzepten um Migration, Stadtforschung und Arbeit interpretiert werden. Die Ergebnisse, wie z.B. die identifizierten Arbeitsschemata in ihrem täglichen Leben, zeigen vielfältige Nutzungen des öffentlichen und privaten Raums auf, die mit Diskriminierung im öffentlichen Leben verbunden sind. Die ständige Präsenz von Rappi-Lieferant_innen im öffentlichen Raum ist eine Form der Aneignung des umkämpften städtischen Raumes. In beiden Fallstudien lassen sich immersive Strukturen körperlicher Reproduktionsarbeit auf verschiedenen geographischen Ebenen identifizieren. Für Webcam Models spielt aber auch die emotionale Arbeit durch den intensiven Kontakt mit ihren Klienten eine wesentliche Rolle. Darüber hinaus werden in der Analyse teils ausbeuterische Arbeitsumgebungen aufgezeigt, die sowohl formelle als auch informelle Arbeitsmerkmale aufweisen. Die Einblicke, die in die krisengeschüttelten Volkswirtschaften lateinamerikanischer Länder eingebettet sind, vermitteln eine Vorstellung von der verwundbaren Situation, in der sich viele Migrant_innen und Bürger_innen in Bogotá befinden, wenn sie versuchen in den Arbeitsmarkt einzutreten. Insgesamt zeigen vor allem die speziellen Details innerhalb der Fallstudien die Fülle der Untersuchung städtischer Lebensmuster und unterstreichen die Notwendigkeit für weitere Forschung im Bereich des urbanen Alltagslebens.

     

Eingereicht

 

an der Fakultät für Architektur und Raumplanung

Betreuung

 

Dr. phil. DI (FH) Sabine Knierbein