Julia Wildeis (2014)

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Common Space.

Novi Beograd’s Local Communities: between Conception and Everyday Life.

     
Hintergrund   Die Arbeit sucht nach Kontinuität und Bruch im Umgang mit Gemeinschaftsräumen der sozialistischen Ära Ex-Jugoslawiens im Belgrader Stadtteil Novi Beograd. Gesellschaftspolitische Dimensionen wie der Anspruch an ihre Funktion als Räume politischer Teilhabe und ihre Bedeutung in der ideologischen Konstruktion des Jugoslawischen Selbstverwaltungssozialismus werden untersucht. Im Hinblick auf die post-sozialistische, von Entpolitisierung und Kommerzialisierung geprägte Stadtlandschaft erforscht die Arbeit das Erbe des radikal-demokratischen Anspruchs in den kommunalen Räumen des öffentlichen Alltags. Als Orte an denen sich Alltagskulturen entfalteten ermöglichen sie Einblicke in urbane Realitäten die sich über den politischen und wirtschaftlichen Systemwechsel hinwegsetzten jedoch auch in seinem Spannungsfeld liegen.
Abstract   Mittelpunkt der Recherche sind Gemeinschaftsräume die während der sozialistischen Ära Jugoslawiens entstanden. Der Fokus liegt auf dem Konzept der ‘Mesna Zajednica’ (Ortsgemeinschaft) das während Jugoslawiens Entwicklung in Richtung Dezentralisierung und der Einführung der Arbeiterselbstverwaltung nach dem Bruch mit der Sowjet Union 1948, entwickelt wurde. Die Ortsgemeinschaft war die kleinste administrative Einheit der jugoslawischen Stadt und Kern der Selbstverwaltung auf der städtischen Ebene. Novi Beograd (Neu Belgrad), ein Bezirk der serbischen Hauptstadt Belgrad, dient dabei als Fallstudie um das jugoslawische Konzept der Selbstverwaltung auf der Nachbarschaftsebene zu untersuchen. Novi Beograd wurde nach dem 2. Weltkrieg als sozialistische ‘Modellstadt’ mittels technokratischen Planungsprinzipien und allumfassendem ‘Social Engineering’ von räumlichen als auch sozialen Beziehungen erbaut. In neuen (modernistischen) Stadtteilen war die Ortsgemeinschaft gleichzeitig auch Planungsbaustein der zur Schaffung autarker ‘Gemeinschaften’ für 5.000 bis 15.000 Einwohner dienen sollte. Das Kernstück jeder Ortsgemeinschaft war das Gemeinschaftszentrum. Dort konnten sich die Bewohner_innen treffen, ihre täglichen Einkaufe erledigen, soziale Dienstleistungen erhalten und an der politischen Organisation ihrer Nachbarschaft teilnehmen. Basierend auf der Annahme, dass sozialistische Konzeptionen von Gemeinschaft auch heute noch einen Einfluss auf das Leben in der Stadt haben, werden ihre Entwicklungen und symbolischen Dimensionen genauer untersucht. Unterschiedliche Facetten und Maßstäbe sollen erkundet werden: ihre Definition als Orte politischer Partizipation, Räume ideologischer Repräsentation und Ort an dem Gemeinschaft in der modernen Stadtgesellschaft wiederbelebt werden sollte. Die Theorie des jugoslawischen Gemeinschaftsraumes soll dem Alltagsleben welches sich an diesen Orten entfaltet hat gegenübergestellt und relativiert werden. Die Diskrepanz zwischen der staatlichen Konzeption und wie der Raum wahrgenommen und erlebt wird sind zentrale Aspekte der Arbeit.
     
Eingereicht   an der Fakultät für Architektur und Raumplanung am 26.05.2014
Betreuung   Dr. phil. DI (FH) Sabine Knierbein

 

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