Elisabeth Arnold (2019)

 

Die Rationalitäten des sozialen Wohnungsbaus in Santiago del Estero, Argentinien

     
Kurzbeschreibung
 

In Argentinien leben 92 % der Gesamtbevölkerung in Städten (CIA 2019). Aufgrund des kontinuierlichen Wachstums der Städte und eines unzureichenden Angebots an Wohnungen, die einem Mindeststandard entsprechen, bemüht sich die Wohnungspolitik seit mehreren Jahrzehnten vorrangig darum, das Wohnungsdefizit systematisch zu verringern. Eine der nationalen Strategien war und ist der direkte soziale Wohnungsbau. Da die Nach- frage nach erschwinglichem Wohnen hoch ist, stellt die Schaffung bescheidener Lebensräume – standardisierte Ein- oder Zweifamilienhaustypen am Rande des städtischen Ballungsraums – den üblichen Weg dar, um diesen Bedürfnissen seit Anfang der 2000er Jahre gerecht zu werden. Große Wohnprojekte, die aus nationalen Mitteln finanziert werden, wurden von den Provinzwohnungsinstituten durchgeführt, wobei Gemeinden und lokale Behörden bei bedeutenden städtischen Wachstumsprozessen und beim Flächenverbrauch kein Mitspracherecht haben.

Betrachtet man diese Praxis der Wohnungspolitik und Stadtplanung, so sind die Rationalitäten der offiziellen Stadtraumproduktion, das Spannungsverhältnis zwischen nationaler und lokaler Ebene, der öffentlichen und privaten Räume und der Qualität von Stadtentwicklungsgebieten entscheidende Punkte von Interesse, um folgende Forschungsfrage zu beantworten: Welche Rationalitäten stecken hinter dem sozialen Wohnungsbau in Santiago del Estero, Argentinien?

Das zentrale Thema dieser Arbeit ist ein bestimmtes Stadtviertel in Santiago del Estero, einer mittelgroßen Stadt mit etwa 300.000 Einwohnern im zentralen Norden Argentiniens. Das 2012 fertiggestellte „Barrio Siglo XXI“ veranschaulicht das konkrete räumliche Phänomen des sozialen Wohnungsbaus in Form von homogenen Massenbauten. Die Einbettung in die Theorie zu Stadtentwicklung in Lateinamerika und eine Retrospektive der bisherigen argentinischen Wohnungspolitik soll es ermöglichen, das Phänomen zu kontextualisieren und Parallelen und Veränderungen in der urbanen Raumproduktion aufzuzeigen. Durch die Anwendung systemtheoretischer Instrumente wird die Interventionslogik der Wohnungspolitik auf nationaler Ebene kritisch untersucht. Empirische Erkenntnisse aus Beobachtungen und qualitativen Interviews haben Erkenntnisse auf der gesamt- städtischen Ebene von Santiago del Estero sowie über die Mikroskala des spezifischen Stadtteils generiert. Durch die Verbindung dieser Skalen werden fünf vorherrschende Rationalitäten der Raumproduktion herausgearbeitet, welche die aktuellen sozialen Wohngebiete in Santiago del Estero prägen.

     
Eingereicht   an der Fakultät für Architektur und Raumplanung
Betreuung   Dr. phil. DI (FH) Sabine Knierbein