Bernhard Gugg (2019)

 

Kommunale Wohnungspolitik für Geflüchtete in Griechenland – Eine Multi-Level Analyse von Thessaloniki’s REACT Programm

     
Kurzbeschreibung
 

Der Zugang zu angemessenem Wohnraum ist eine Grundvoraussetzung für ein gutes und selbstbestimmtes Leben. Die Wohnungspolitik eines Landes wird auf mehreren politischen Ebenen mitbestimmt. Internationale und europäische Dokumente bieten einen Rahmen, der angemessenen Wohnraum definiert und als Recht verankert. Die konkrete Ausgestaltung der Wohnungspolitik liegt jedoch in der Kompetenz der Nationalstaaten. In dieser Arbeit werden städtische Wohnungspolitiken vor dem Hintergrund der immer wichtiger werdenden Rolle der Städte untersucht.

Diese Arbeit befasst sich mit der Entwicklung der städtischen Wohnungspolitik in Thessaloniki, Griechenland seit 2015, dem Jahr zunehmender transnationaler Migration. Das Programm REACT (Refugee Assistance Collaboration Thessaloniki) wurde gestartet, um im Rahmen der Relocation Strategie der Europäischen Union (EU) adäquate Unterkünfte für Geflüchtete bereitzustellen, die in anderen EU-Länder um Asyl ansuchen. Aus verschiedenen Gründen bleiben viele Geflüchtete jedoch in Griechenland. Viele von ihnen leben in Lagern am Stadtrand oder auf Inseln, manchmal unter unmenschlichen und sozial isolierten Bedingungen.

REACT ist ein Programm, das von Gemeinden in der Region Thessaloniki gemeinsam initiiert wurde. Der Schwerpunkt liegt auf der Bereitstellung von Wohnungen für Gefüchtete und ihre Familien. Das Programm ist aber auch wohnungspolitisch interessant. Die einzige griechische Organisation für den Bau von Sozialwohnungen (OEK) ist seit der vergangenen Finanz- und Schuldenkrisen geschlossen. Der Wohnungsmarkt ist gekennzeichnet durch hohe Eigentumsraten, wenig Neubau und Leerstand. Vor diesem Hintergrund besteht Grund zur Annahme, dass REACT als Wohnunsprogramm mehr sein könnte, als eine anlassgegebene Strategie auf Gemeindeebene.

Als Modell für eine neue kommunale Wohnungspolitik unterscheidet sich REACT jedoch von den Programmen anderer europäischer Städte (z.B. Barcelona) durch einen weniger partizipativen Ansatz. Darüber hinaus stellt sich die Frage nach der Nachhaltigkeit, denn trotz Institutionalisierungsbemühungen sowie regionaler Zusammenarbeit und einer Konsolidierung oder Transformation alter Governance-Strukturen stellt sich die Frage, ob REACT eine langfristige Orientierung für eine Umstrukturierung des griechischen Wohnungswesens geben kann.

     
Eingereicht   an der Fakultät für Architektur und Raumplanung
Betreuung   Dr. phil. DI (FH) Sabine Knierbein