Stiftungsgastprofessur

Inspirierende und experimentelle Sichtweisen

Öffentliche Räume sind Räume sozialen Austausches und gesellschaftlicher Konfrontation, an die diverse Akteure und Institutionen ganz unterschiedliche Ansprüche stellen. Sie befinden sich in ständigem Wandel entsprechend gesellschaftlicher Veränderungen. Die Vielfalt gesellschaftlicher Berührungspunkte zwischen Stadtkultur und öffentlichen Räumen erfordert daher ein themenbezogen organisiertes Spektrum in der Erforschung und Lehre hinsichtlich öffentlicher Räume. Gleichzeitig müssen diese mannigfaltigen Blickwinkel systematisch zusammengeführt werden. Die Rolle des jährlich in Wien zusammen kommenden Akademischen Teams ist es, eigene inspirierende Sichtweisen hinsichtlich der weit gefassten jährlichen Themengebiete des Interdisciplinary Centre for Urban Culture and Public Space (SKuOR) einzubringen und im Spannungsfeld zwischen Praxis und Theorie die Forschungsagenden und Lehrpläne an der Fakultät für Architktur und Raumplanung gemeinsam fort- und umzuschreiben. Es ist uns ein Anliegen, den vielzitierten „akademischen Elfenbeinturm“ ab und an zugunsten multipler und dialogischer Lernprozesse zu verlassen, um ein feines Gespür für das alltägliche Leben in den Städten zu entfalten. Das Team setzt sich daher ganz bewusst mit Konflikten und Unschärfen, die bei der Übersetzung zwischen Know How (Stadtgestaltung und Stadtplanung) und Know Why (Stadtforschung) im Alltagsleben der Städte auftreten, offen, konstruktiv und erkenntnisorientiert auseinander.

Themenspezifische Beiträge durch Stiftungsprofessorenteams

Das Interdisciplinary Centre for Urban Culture and Public Space der Fakultät für Architektur und Raumplanung der Technischen Universität Wien hat daher während der Förderphase I (2009 und 2011) jährlich ein Stiftungsgastprofessorenteam (Senior/in und Junior/in) eingeladen, um gemeinsam mit dem permanenten Team in Wien wertvolle Beiträge an den Schnittstellen zwischen Stadtforschung, Stadtgestaltung und Stadtplanung zu leisten. In der Förderphase II (2012-2014) und der Förderphase III (2015-2017) bestellte die Technische Universität Wien jährlich wechselnd eine Persönlichkeit (Stiftungsgastprofessur) an das Interdisciplinary Centre for Urban Culture and Public Space, Department für Raumplanung der Fakultät für Architektur und Raumplanung der TU Wien. Diese Persönlichkeit arbeitet teamorientiert mit der kontinuierlich an der TU Wien wirkenden Leiterin des Interdisciplinary Centres for Urban Culture and Public Space und weiteren MitarbeiterInnen zusammen, deren vorrangige Aufgabe es ist, die vielseitigen Perspektiven auf Stadtkultur und auf öffentliche Räume über die Jahresthemen hinweg systematisch zu bündeln. So trifft Wandel der Perspektiven dialektisch auf kontinuierliche Bündelung der inhaltlichen Komplexität. Die intensiven inhaltlichen Impulse und Erfahrungen der wechselnden Stiftungsgastprofessur werden dauerhaft erkenntnistheoretisch systematisiert und praxisorientiert übersetzt, gleichzeitig bleibt der dialogische Teamgedanke erhalten. Dem Interdisciplinary Centre for Urban Culture and Public Space standen zwischen 2009 und 2017 Stiftungsmittel der Stadt Wien in Höhe von bis zu 100.000 Euro, mit denen bis zu drei Personalstellen an der Technischen Universität Wien (ko)finanziert wurden. In den Jahren 2015-2017 wurde aus diesen Mitteln vorraussichtlich ebenfalls eine fakultätsweite Plattform (‘Future Lab Öffentlicher Raum’) zusätzlich zum SKuOR Programm finanziert, um die innovativen praxisorientierten Herangehensweisen zum öffentlichen Raum in den Lehrplänen der Fakultät zu verankern. Im Jahr des 10-jährigen Bestehens des Interdisciplinary Centre for Urban Culture and Public Space wird die TU Wien hausintern eine Gastprofessur für Stadtkultur, Öffentlicher Raum und Wohnen finanzieren (Förderphase IV), um den Zeitraum zwischen der vormaligen Förderung durch die Stadt Wien (2009-2017) und dem Beginn eines neuen mehrjährigen Förderschemas zwischen der TU Wien und einem internationalen Partner (voraussichtlich ab Oktober 2018, derzeit in Verhandlung) erkenntnisproduktiv zu überbrücken.

Zwei dialogisch kombinierte Forschungs- und Lernfelder

Den Studierenden der Masterstudiengänge Raumplanung und Architektur sowie weiteren interessierten Bachelor- und PhD-Studierenden raumrelevanter Disziplinen (auch über die Technische Universität Wien hinaus) wird im Lernfeld Stadtforschung Know Why die Möglichkeit gegeben, gestalt- und planungsrelevante Aushandlungsprozesse in ihren jeweiligen Charakteristika zu ergründen, ihre eigene Fachposition in gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen zu verorten und ein sensibles Gespür für die raum- und gestaltbezogenen Denkweisen verschiedener Akteure mit unterschiedlichen Interessen, Strategien und Zielen zu entwickeln. Im Lernfeld Stadtgestaltung/Stadtplanung Know How wird ihnen angeboten, die aus der Betrachtung konkreter räumlicher Entwicklungen von Stadt gewonnenen Erkenntnisse in planerisches und gestalterisches Handeln einzubinden. Ein derartiges Hinterfragen von Raumverständnissen mündet in einer kritischen Reflexion unterschiedlicher Planungsverständnisse. Es gilt, Altbewährtes mit neuen Impulsen zu untermauern und sich von wirkungslosen alten Hüten und überflüssigen neuen Moden zu verabschieden, um die Rollen, die Planer und Architektinnen bei der Planung und Gestaltung von baulichen Arrangements der öffentlichen Räume einnehmen können, neu einzustudieren. Die Mitwirkung an den Prozessen der Produktion öffentlicher Räume erfordert ständige Flexibilität seitens der Planerinnen und Gestalter, sich in gesellschaftliche Prozesse sanft einzubringen.

 

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