Felicitas Wettstein (2010)

Hintergrund
Gegenstand der Diplomarbeit „Zwischen imaginierter, gelebter und baulicher Wirklichkeit“ sind öffentliche Räume in marginalisierten Vororten von Paris. Das Interesse liegt in der Analyse ihrer Produktion und der Verortung der Rolle, die Architektur und Städtebau dabei spielen.
Abstract
Öffentliche Räume in marginalisierten Vororten von Paris sind Orte bereits langanhaltender Konflikte. Nach einer Phase der sozialen Stadtteilentwicklung, bei der die marginalisierte Bevölkerung und ihre Forderungen ernst genommen wurden, werden heute mehr und mehr repressive Maßnahmen ergriffen. Die derzeitigen Stadterneuerungsprojekte sollen für die Wiedereinführung sozialer Durchmischung sorgen und so Regionen aufwerten und Grenzen überwinden. Adressiert wird eine Bevölkerungsgruppe mit hohem sozialem Status. Bereits Ansässige werden oftmals übergangen und möglichen Interaktionen zwischen diesen Bevölkerungsgruppen wird kaum Beachtung geschenkt. Der Diskurs, dass die marginalisierte Bevölkerung gefährlich für die Nation sei, führt dazu, dass sie nicht Zielgruppe von Veränderungsmaßnahmen sein kann. Dies wiederum resultiert in der oftmals vorhandenen Wahrnehmung von Architektur und Städtebau als Teil des Gegnersystems.
Mit der Entwicklung einer Utopie einer gewaltfreien Gemeinschaft, die es ermöglicht, Potenziale und spezifische Eigenheiten öffentlicher Räume in diesen Gebieten wahrzunehmen und herauszuarbeiten, wird dem derzeitigen Diskurs von Angst und Repression eine neue Perspektive räumlicher Veränderung entgegengesetzt. Die empirische Forschung in Épinay-Sur-Seine, einem nördlichen Vorort von Paris, hat zum Ziel, die Sicht von innen mit der von außen zu konfrontieren und die Rolle von Architektur und Städtebau in Veränderungsprozessen zu analysieren. Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse werden unterschiedliche Faktoren des Raumproduktionsprozesses herausgearbeitet. In Form von Handlungsräumen, die jeweils unterschiedliche Aspekte der Veränderung öffentlicher Räume behandeln, werden Ideen ausgearbeitet, wie Interventionen und Projekte in diesen Gebieten entwickelt, organisiert und gestaltet werden können.
Eingereicht an der Fakultät für Architektur und Raumplanung am 05.11.2010
Betreuung Dr. phil. DI (FH) Sabine Knierbein