Vanessa Sodl (2018)

 

RaumplanerInnen bei der Arbeit. Körper, Affekt & Raum

     
Kurzfassung   Diese Diplomarbeit konfrontiert das Selbstverständnis der Raumplanung mit Ansätzen aus der Affekttheorie aus den Kultur- und Sozialwissenschaften und versucht dadurch, Trennlinien zwischen vermeintlichen Gegensätzen, wie z.B. objektiv – subjektiv, rational – emotional, Planung – Alltag aufzulösen. Es wird hierbei auf einen theoretisch-reflektierten, empirisch-experimentellen Ansatz zurückgegriffen, indem mittels Methodenexploration mit ForschungspartnerInnen der Gebietsbetreuung des 10. Wiener Bezirks (GB*10) ein Beitrag dazu geleistet wird, empirische Methoden auf ihre Anwendbarkeit in Bezug auf die Erforschung von Affekt zu testen und Affekt im Bereich der Raumplanungsarbeit greifbar zu machen. Theoretische Basis bilden hierfür „thinking through the body“ Ansätze, raumtheoretische Überlegungen zu Körper & Raum und ein Affektverständnis, das Affekt nicht vom Kognitiven getrennt sieht. Anhand des Wandels im Planungsverständnis werden Gründe für die Dominanz des rationalen Planungsmodells in der Praxis und im Selbstverständnis als PlanerIn und erste Kontaktpunkte zwischen Raumplanung und dem Thematisieren von Emotionen dargestellt. Es zeigt sich, dass die Affekttheorie gute Ansatzpunkte bietet, um das Verständnis der Raumplanung und das Arbeiten in der Praxis zu bereichern. Unabhängig vom Aufgabenbereich als PlanerIn basiert die Arbeit auf eigener, subjektiv empfundener Körperlichkeit, auf deren Grundlage mit Fachwissen, angereichert durch andere Wissensformen und unter affektiver Beeinflussung, Entscheidungen getroffen werden. Für das Selbstverständnis als PlanerIn bedeutet das Miteinbeziehen von Affekt einen Anstoß für einen Abbau von Hierarchien, die Stärkung der Relevanz der eigenen Person und eine Möglichkeit den Begriff Objektivität offener, lebensnaher und praxisbezogener zu gestalten, woraus sich ein Mehrwert für die eigene Arbeit generiert. Die eigene Person als wesentlicher Teil der Arbeit wird sichtbar, Ergebnisse dadurch transparenter und besser nachvollziehbar. Der „affective value“ als ergänzende Kategorie bei der Bewertung der Arbeit betont die Wichtigkeit von zwischenmenschlichen und intrasubjektiven Komponenten und Dimensionen, die oftmals versteckt oder ignoriert werden (Subjektives, Intuitives, Unbewusstes, …). Abschließend wird der Ansatz einer affektbasierten Planung vorgestellt und Einsatzmöglichkeiten in Planungspraxis und Studium aufgezeigt.
     
Eingereicht   an der Fakultät für Architektur und Raumplanung
Betreuung   Assoc. Prof. Dr. phil. DI (FH) Sabine Knierbein