Assoc. Prof. Dr. Sabine Knierbein

„Öffentlicher Raum ist, wo sich öffentliches Leben entfaltet. Hier konzentriert sich die Vielschichtigkeit gesellschaftlichen Wandels auf engstem Territorium, hier überlagern und durchdringen sich gelebte, wahrgenommene und konzipierte Räume abstrakt wie konkret, zeitgleich und mit unterschiedlichen Rhythmen und Intensitäten. Als Seismographen für gesellschaftliche Trends, Tendenzen und Turbulenzen bieten sie sich als zentraler Gegenstand der Stadtforschung erkenntnistheoretisch an. Planer und Gestalterinnen können hier eigene Werthaltungen, Positionierungen und Denkschranken im Dialog mit Bewohnern, Besuchern und Bürgern überprüfen, verwerfen, anreichern, kurz: lernen. Öffentliche Räume sind aber auch ein Korrektiv für die Stadtpolitik, weil hier ein wie auch immer umrissenes ‚öffentliches Interesse‘ in Stein gemeißelt und in Stahl gegossen, und damit lebensweltlich wirksam wird.

 

Mit dem Mosaik urbaner Lebensweisen und städtischer Lebenswelten beschäftigt sich hingegen die Stadtkultur-Forschung. Vielfalt und Differenz sind ihr methodisch wie auch inhaltlich eingeschrieben. Die akademischen Teams am Interdisciplinary Centre of Urban Culture and Public Space verschreiben sich daher einem Plädoyer für die systematische Bündelung vielfältiger Perspektiven, ohne jedoch den Anspruch erheben zu wollen, den materiellen Wandel der sozialen Gestalt unserer Städte jemals voll entschlüsseln oder steuern zu können. Denn die Erforschung öffentlicher Räume als sich ständig verändernder städtischer Realität ist für Forschende Lebensaufgabe, und unerschöpflich.“