Phase II – 2013

2013  Stadtkultur, öffentlicher Raum und Wissen – Bildung und Differenz

Es ist normative Aufgabe von Stadtplanenden, verschiedene Wissensfelder mit dem Ziel zu verknüpfen, räumliche Entwicklung nachhaltig und demokratisch zu steuern. Sie produzieren kontinuierlich raumbezogenes Wissen und wenden dies permanent an (mentale Raumproduktion). Von ihnen werden datenbasierte Vorstellungen, Projektionen und Visionen skizziert, die später in der Hoffnung in Stein gemeißelt und Stahl gegossen werden, dem dynamischen gesellschaftlichen Wandel Rückhalt – ein  robustes Rückgrat – zu bieten. Raum als produktiver Prozess „wird hier auf einer (…) Ebene betrachtet, als Resultat von akkumulierten wissenschaftlichen Kenntnissen, die den Arbeitsprozess durchdringen und damit materiell wirksam werden.“ (Schmid 2005, 207). Vor dem Hintergrund der gegenwärtig zunehmenden Relevanz von Wissen per se wird auch ersichtlich, dass sich die veränderte Bedeutung von Wissen als Ressource in der zeitgenössischen Stadtentwicklung nicht mehr allein rein physisch ablesen lässt. Der Zugang zu Bildung und das Anerkennen von sozialer Differenz müssen aber in der akademischen Erschließung und Verknüpfung verschiedener Wissensfelder an Bedeutung gewinnen, will man gegenwärtige Herausforderungen wie Bevölkerungsbewegungen und Vielfalt in den Lebensweisen sowie den Strukturwandel der Städte weise bewältigen. Das Jahresthema „Stadtkultur, öffentlicher Raum und Wissen – Bildung und Differenz“ wird daher in transdisziplinärer Manier bearbeitet: Öffentliche Räume dienen hier als Räume der Reflexion und Arenen der Aktion für Stadtplanende, sie dienen dem Schmieden von Wissensallianzen zwischen Theorie und Praxis der räumlichen Inanspruchnahmen, zwischen Universitäten, Schulen und Kindergärten und schlichtweg allen weiteren Vereinigungen, in denen unter Berücksichtigung der tatsächlichen sozialen Differenz kulturübergreifend gelernt wird.

Mit dem Fokus auf Bildung wird weiterhin die Frage nach dem sozialen Charakter räumlicher Innovation gestellt. Welche Formen des lebenslangen Lernens und der dialogischen Wissenstransferprozesse bilden sich wie räumlich ab? Wie sind gegenwärtige Bildungseinrichtungen räumlich organisiert, und inwieweit spielen öffentliche Räume für die räumliche Organisation von Schulen, Volkshochschulen und Hochschulen nunmehr eine zentralere Rolle als in der fordistischen Stadt? Inwieweit reflektieren gegenwärtige Projekte der Stadtentwicklung im Bildungsbereich ein Plädoyer für Differenz der Lebensweisen und Kulturen in Wien, einer Stadt, die – wie viele andere – bereits historisch vom Zuzug unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen geprägt war? Wenn sich die Formen der Wissensvermittlung zwischen verschiedenen Wissensfeldern und –beständen rasant im Zuge des medialen Wandels verändert haben, drückt sich dies räumlich ebenso rasch aus? Welche Rolle übernehmen öffentliche Räume bei derartigen Transformationen in der gegenwärtigen postfordistischen Stadt?

Auch die offensichtlichen Möglichkeiten, die sich für stadtplanerisches Handeln im Zuge der Wissensgewinnung in öffentlichen Räumen ergeben, erscheinen ansatzweise, jedoch noch nicht hinreichend erfasst und für die Praxis des dialogischen Lernens und der partizipativen Aktionsforschung nutzbar gemacht. Daher beruht das Jahresthema 2013 auf dem Aspekt der konzipierten Räume, auf den Projektionen und Visionen, die mental (vor)produziert werden, und damit Raumentwicklung faktisch beeinflussen. Auf welchen Wissensbeständen beruht(e) planerisches Handeln hinsichtlich der öffentlichen Räume, und wie verändert sich diese Situation mit dem Aufkommen der postfordistischen Wissensökonomien? Bestehen bereits wissenschaftliche Vorstöße, die stadtkulturelle mit wissensbezogenen Perspektiven zum öffentlichen Raum verbinden?

In 2013 wird daher eine Herangehensweise verfolgt, bei der die Technische Universität Wien (TU Wien) und ihre Akteure bewusst Bildungskooperationen mit anderen Bildungsinstitutionen (Schulen, Volkshochschulen, Kindergärten, etc.) zum öffentlichen Raum im Sinne von Wissensallianzen eingehen. In dieser Weise sollen die dialogische Wissensvermittlung über die lokalen Eigenarten gewisser Orte, über ihre globalen Überformungen zwischen akademischem Wissen, professionellem Expertenwissen und lokalem Alltagswissen forciert werden (Transdisziplinarität).  Ein derart starker Fokus auf Bildung als Teil von Kultur, und die Anerkennung von Differenz in der Stadtgesellschaft erscheinen einer stadtkulturellen Herangehensweise an Planung und Architektur in demokratisch verfassten Ländern per se eingeschrieben.

 

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