Profil

Erkenntnisinteressen

Warum funktionieren traditionelle Planungsinstrumente oftmals nicht, um öffentliche Räume als Sozialräume zu stärken? Was genau wird als ‚öffentlich’ an öffentlichen Räumen verstanden und wie kann Kultur in den Städten dazu beitragen, Prozesse sozialen Austausches und gesellschaftlicher Konfrontation zu stimulieren? Wie können variierende Forschungsperspektiven zum öffentlichen Raum mittels kulturwissenschaftlicher Herangehensweisen erkenntnisproduktiv gebündelt und für Theorie und Praxis fruchtbar gemacht werden? Inwieweit hängen das soziale Alltagsleben in den Städten, der politische Ausdruck zivilgesellschaftlichen Aufbegehrens auf städtischen Straßen und Plätzen mit ihrer gebauten Form und den planerischen Visionen und Studien für Städte zusammen?

Stiftungsgastprofessur

Die Fakultät für Architektur und Raumplanung an der Technischen Universität Wien stellt sich diesen herausfordernden Fragen an der interdisziplinären Schnittstelle zwischen planerisch-gestalterischen und gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen mit der Einrichtung der Gastprofessur „Stadtkultur und öffentlicher Raum“. Diese wird durch die Stadt Wien seit 2008 materiell gefördert. Zunächst auf drei Jahre angelegt, ist das Programm im Frühjahr 2015 bereits ein zweites Mal um weitere drei Jahre verlängert worden. Aus den Mitteln werden Gastdozenturen wie auch lokale Personalmittel innerhalb der TU Wien in einer Gesamthöhe von 100.000 Euro jährlich bestritten. Seit Juni 2015 komplementiert ein zusätzliches Programm die Bestrebungen für eine größere Betonung der Bedeutung öffentlicher Räume auf der Fakultätsebene: Das „Future Lab Öffentlicher Raum” wurde initiiert um die Erkenntnisse und Auswirkungen der Stiftungsgastprofessur für Stadtkultur und öffentlicher Raum zu multiplizieren.

Horizontale Institution

Es ist Aufgabe der am Department für Raumplanung angesiedelten Stiftungsprofessur, veränderte Sichtweisen auf Stadtkultur und öffentliche Räume zu entwickeln. Damit wird das heutige Forschungs- und Lehrspektrum in der europäischen Universitätslandschaft angesichts der offensichtlichen Relevanz der sozialen und politischen Bedeutung öffentlicher Räume und unterschiedlicher kultureller Praktiken erweitert und bereichert. Für die Bewältigung dieser Herausforderungen hat die Fakultät für Architektur und Raumplanung eigens das Interdisciplinary Centre for Urban Culture and Public Space eingerichtet. Dieses wird unterstützt durch einen TU-internen Arbeitskreis unterschiedlicher Kolleginnen und Kollegen verschiedener Fachbereiche, durch den Dekans und  Studiendekane (Raumplanung, Architektur), sowie durch die Leitung des Arbeitsbereiches. Dieses Gremium gibt Empfehlungen zu den Aktivitäten des Arbeitsbereiches ab und berät über die Bestellung der Gastprofessoren im Rahmen des jeweiligen Interessenbekundungsverfahrens. Projektweise werden kleine Koalitionen zu aktuellen Themen der Erforschung stadtkultureller Aspekte und Wissensallianzen zur Planung und Gestaltung öffentlicher Räume geschmiedet. Mehr Informationen.

Zentrale Fragestellungen

Wie genau bedingen gegenwärtige Interaktionen zwischen zivilgesellschaftlichen Akteuren, staatlichen Institutionen und den Märkten die gesellschaftliche Produktion öffentlicher Räume? Welche Aufgaben werden in diesem Zusammenhang von planenden und gestaltenden Disziplinen wahrgenommen und wo besteht zukünftiges Potenzial für Studierende an Architektur- und Raumplanungsfakultäten, sich über ihre traditionellen Qualifikationen hinaus wirkungsvoll steuernd und gestaltend in diese gesellschaftlichen Prozesse einzubringen? Inwieweit kann kulturübergreifendes Handeln in Planung und Architektur bei zunehmender Internationalisierung der Handlungssphären kontextsensibel gestaltet werden?

Besondere Herausforderungen

Öffentliche Räume sind dynamische gesellschaftliche Prozesse und damit relationale Räume mit baulichem Ausdruck, die wir allein analytisch in einem sehr starren Raumverständnis in räumliche „Ebenen“ aufteilen können. In diese Prozesse intervenieren strategisch drei Lernfelder, die einen direkten Bezug zu Architektur und Planung haben: Stadtgestaltung im Spannungsfeld der materiellen Raumproduktion, Stadtplanung im Kontext der mentalen Raumproduktion und Stadtforschung als Brennglas für das räumliche Verstehen der gesellschaftlichen Praxis, speziell der Bedeutungsproduktion. Die Lernfelder sind bewusst weit gefasst, um einer unerwünschten Engführung auf gewisse Disziplinen und gleichnamige Fachbereiche vorzugreifen. Denn heute gestalten Planende ebenso wie Gestaltende planen, Kunstschaffende forschen und Forschende werden kreativ tätig. Der Dreiklang entspricht also weniger disziplinären Vorprägungen, institutionellen Abgrenzungen oder akteursbezogenen Selbstwahrnehmungen, sondern verlagert den Fokus auf tatsächliches Handeln von Individuen und Gruppen im Spannungsfeld der Stadtentwicklung.
Es ist daher die besondere Aufgabe der dialogisch angelegten Akademischen Teams in Forschung und Lehre am Interdisciplinary Centre for Urban Culture and Public Space, den lokalen Blick auf die örtlichen Gegebenheiten Wiens mit dem akademischen Wissensaustausch auf europäischer Ebene erkenntnisfördernd in zwei Lernfeldern zu verknüpfen: Know Why (Stadtforschung, Theorie) und Know How (Stadtplanung und –gestaltung, Praxis).

 

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